Titel: Thanksgiving
Autor: callisto24
Charaktere: Curtis, Audrey
Genre: Drama
Thema: nach Season 5, SPOILERWARNUNG!
Word Count: 631
Rating: PG-13
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....
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An Tagen wie diesen zweifelte Curtis mitunter daran, den richtigen Beruf gewählt zu haben.
Wenn ihm die Sache mit der Geiselnahme und die Bombendrohung nicht dazwischengekommen wäre, dann würde er sich jetzt bereits auf dem Weg zu seiner Mutter befinden, um mit ihr die Feiertage zu verbringen. Nicht, dass es ihr viel ausmachen würde, wenn er nicht käme, für sie gab es schon sehr lange keine bekannten Gesichter mehr in dieser Welt. Es musste Jahre her sein, seit sie ihn zum letzten mal mit seinem Namen angesprochen hatte, seit dem sie bei seinem Anblick nicht von Verwirrung und Unsicherheit ergriffen worden war. Es tat ihm immer wieder weh die einst so starke, selbstbewusste Frau nun verzweifelt nach Erinnerungen suchen zu sehen, nach einem winzigen Hinweis darauf, wer der große, fremde Mann, der ihr ruhiges, abgeschiedenes Zimmer betrat, wohl sein könnte. Und dennoch war sie seine Familie, die einzige Familie, die er noch hatte, und diesen einen Tag im Jahr sollte man doch mit seiner Familie verbringen.
Seine Familie! Er schüttelte skeptisch den Kopf. Bevor ihr Gehirn angefangen hatte zu zerfallen, war es ihr stetiges Bemühen gewesen, ihn dazu zu bewegen eine eigene Familie zu gründen. Sie war nicht müde geworden, ihm immer wieder ‘zufällig’ vorbeikommende junge Frauen aus der Nachbarschaft vorzustellen, jede einzelne von ihnen ausnehmend hübsch, klug und charmant. Und doch hatte es ihm jedesmal, wenn auch vielleicht nicht an Interesse, dann doch mit Sicherheit an Zeit gefehlt. Wie oft war er mitten in einer netten Plauderei abkommandiert worden, oder hatte sich gleich im Vornherein für seinen kurzen Aufenthalt entschuldigt. Sie hatte sich niemals beschwert, im Gegenteil, war sie doch stolz gewesen auf ihren ehrgeizigen Sohn, der die Nachteile seines Berufes mit so viel Plichtbewusstsein in Kauf nahm.
Doch jetzt war er ein Fremder für sie. Worte wie Tapferkeit oder Pflichterfüllung hatten ihre Bedeutung verloren. Die Pflegerinnen, die geduldig für sie sorgten, trugen Gesichter, mit denen sie noch einen Wiedererkennungswert verbinden konnte, und er hoffte für sie, dass es solange wie möglich auch so bleiben würde.
Mit Audrey hätte sie sich vermutlich nicht so schnell anfreunden können, gegen ein weißes Gesicht in ihrer Familie hätte sich ihr Stolz gewehrt. Wie oft hatte sie gegen ihre afro-amerikanischen Brüder gewettert, die ihr Erbe verleugneten, und sich eine weiße Frau auswählten. Curtis war mit diesen Gedanken aufgezogen worden, so dass es ihm niemals in den Sinn gekommen wäre mit jemandem wie Audrey auch nur auszugehen.
Und doch, war es bei ihr etwas anderes. Was sie teilten war eine Seelenverwandtschaft, die über alles Äußerliche und Körperliche hinausging.
Er seufzte und fuhr sich durch die kurzgeschorenen Haare. Es hatte keinen Zweck sich damit zu quälen. So schön die Zeit mit ihr gewesen war, er hatte doch gewusst, dass sie nicht andauern konnte. Und dazu, war es unübersehbar gewesen, dass Audrey immer noch mehr für Jack empfand, als er jemals für sich erhoffen konnte. Nach seinem Verschwinden war sie zusammengebrochen, aber sobald sie sich erholt hatte, nicht müde geworden die Nachforschungen voranzutreiben. Doch das Rätsel hatte sich als unlösbar erwiesen, und schon nach einer Weile war Bill bereit gewesen, entgegen ihrer, Chloes und seiner Widerstände, andere Fälle in den Vordergrund zu rücken. Das Leben musste weitergehen.
Und nun verbrachte sie die Thanksgiving bei ihrem Vater, der sich langsam erholte, und Curtis wehrte sich dagegen, den Schmerz anzuerkennen, den der Gedanke, sie könnte nicht mehr nach Los Angeles zurückkehren, in ihm auslöste.
Unbewusst nahm er eine Bewegung wahr, und wandte sich Richtung Eingang, ließ beinahe die Akte fallen, die er im Begriff war, einzuordnen.
“Audrey, was tust du denn hier?”
Mit schnellen Schritten näherte sie sich ihm. Ihr weiches Haar folgte den Bewegungen ihrer Füße.
“Ich habe gehört, dass du heute alleine bist.”
Sie lächelte. “Und ich dachte, wir könnten uns gegenseitig Gesellschaft leisten.”
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