Titel: Allein
Autor: callisto24
Rating:
R
Charaktere: Tony, Jack, Michelle
Warnung: traurig, Drogen werden
erwähnt.
Fandom: 24
Genre: Drama
Zusammenfassung: Weihnachtsabend, nach
Season 4
Disclaimer: Nichts davon gehört mir, ich verdiene hiermit kein
Geld...
Anmerkungen: Vielen Dank an meine Betas, aika135 und Daeny
*hugs*
Wirst du ihn heute anrufen?
Ich glaube nicht An den
Feiertagen ist das Risiko einfach zu groß.
Michelle nickte verständnisvoll
und stellte geschickt die benutzten Teller auf ein Tablett, während Tony
gedankenverloren begann, ein behagliches Feuer im steinernen Kamin zu entfachen.
Schade, dass die drei schon gehen mussten, , bemerkte er abwesend und
beobachtete seine schlanke Frau, die mit anmutigen Bewegungen das Tee service
hervorholte. Ich bin froh, dass wir das alles hinter uns haben. Die Heilige
Nacht in der CTU zu verbringen, ist nicht länger meine Vorstellung vom Leben.
Chloe und Curtis sind zu bewundern für ihr Durchhaltevermögen und Audrey... .
Sie stockte für einen Moment. Audrey wird froh sein für jede Ablenkung, vor
allem an den Feiertagen. Sie seufzte. Ich mach uns noch einen Tee, ist das in
Ordnung?
Tony nickte dankbar.
In stillem Einverständnis hatte Michelle
sich seinem Verzicht auf Alkohol angeschlossen, unbewusst gespürt, wie schwer es
ihm auch nach Monaten noch fiel, der Versuchung zu widerstehen. Erschöpft sank
er auf der weichen Couch nieder und starrte in die flackernden Kerzen, ließ sich
von ihren unruhigen Bewegungen hypnotisieren und versuchte sich vorzustellen,
wie Jack diesen Abend verbringen mochte, ob allein, anonym in einer abgelegen
Bar oder einsam im Zimmer einer schäbigen Herberge, ähnlich der, in der er ihn
vor ein paar Wochen aufgespürt hatte, versteckt, gejagt, auf der Flucht wie ein
wildes Tier.
Er konnte ihn vor sich sehen, den Kopf in den Armen vergraben, die
Flasche Whiskey auf dem niedrigen Tisch vor sich als einen letzten Trost, ein
Laster, das sie seit Ninas Verrat und Teris Tod wiederholt vereint hatte, bis
Jack dann etwas anderes für sich entdeckt hatte. Tony massierte unbewusst den
schmerzenden Muskel in seinem Nacken. Sein Blick fiel auf die elegante kleine
Tanne, die Michelle und er liebevoll miteinander geschmückt hatten und in deren
Zweigen silberglänzende Kugeln wie verzaubert funkelten. Die sanften Lichter
strahlten mit ihren Spiegelbildern in den glitzernden Metallengeln um die Wette,
blitzten manchmal neckisch hinter einer Wehe feinen Kunstschnees hervor, während
andere sich selbstbewusst in den Vordergrund drängten, stolz ihren goldenen
Schein in dem nach Tannengrün und weihnachtlichen Gewürzen und einem bereits
verzehrten Festmahl duftenden Raum verbreitend. Das Feuer knisterte leise und
Tony wusste, dass er hätte glücklich sein müssen. Und dennoch blieb dieses
bohrende, nagende Gefühl in seinem Herzen bestehen, ein beißender Schmerz, der
an seinen Eingeweiden schabte, ein Schmerz, der nicht vergehen wollte unabhängig
davon wie lange der Tag, an dem Jack gestorben war, bereits zurücklag, die
wahrscheinlich einzige und letzte Chance für den Freund, die Last der
Vergangenheit abzuschütteln, eine neue Existenz zu beginnen. Und doch fühlte
Tony instinktiv, dass Jack noch nicht soweit war, es vielleicht niemals sein
würde. Zu tief in ihm vergraben war die Trauer, zu grausam die Verluste, die er
hatte ertragen müssen. Tony seufzte und fuhr sich durch die schwarzen Locken. Er
kannte ihn mittlerweile besser als sich selbst, hatte es an seiner Stimme hören
können, blechern und verzerrt durch die Fernleitung und doch unverwechselbar in
ihrem tiefen Klang, an der Stimme, die es noch nie vermocht hatte, seine Gefühle
zu verbergen, zumindest nicht vor ihm. Tony zog die Knie an, umschlang sie mit
seinen Armen und stützte das Kinn darauf.
Jack würde alleine sein in dieser
Nacht, er konnte ihn vor sich sehen, konnte die Arme nach der schmalen Gestalt
ausstrecken, die aus schimmernden Augen, weit aufgerissen in ihrer
Hoffnungslosigkeit, auf den kupfernen Inhalt der Flasche starrte, der ihr nicht
das geben konnte, was sie brauchte, wie sie sich verzweifelt danach sehnte, ein
stärkeres Gift in den Händen zu halten, das es ihr erlauben würde, dem Schmerz
zu entfliehen, wie sie sich wünschte, die glänzende Nadel in ihren Arm zu senken
in der stillen Hoffnung, die unerträgliche Sehnsucht endgültig zu vergessen. Die
Sehnsucht nach dem Leben, das Jack gehasst hatte, und von dem er dennoch nie
losgekommen war. Wie sollte es ihm auch möglich sein die Schuld, die Angst, den
Schrecken hinter sich zu lassen, dem Frieden der Jahreszeit Zutritt in sein Herz
zu gewähren, wenn er von allem ausgeschlossen war, das ihm jemals etwas bedeutet
hatte, wenn er diesen Tag ohne den Trost und die Unterstützung verbringen
musste, die jeder Mensch verdiente, ohne Hinblick auf die Sünden, die er auf
sein Gewissen geladen hatte. Tony starrte in die Flammen und spürte, wie die
Kälte in ihm empor kroch, trotz der anheimelnden Wärme, die ihn umgab, trotz des
mit Liebe erfüllten, zärtlich dekorierten Heimes, trotz des vertrauten Klirrens,
das aus der Küche drang, in der Michelle emsig mit dem Geschirr hantierte. Die
Kälte, von der er wusste, dass auch Jack sie in diesem Augenblick empfand, die
sie heimlich teilten, unabhängig davon wie viele Meilen zwischen ihnen lagen. Er
atmete den frischen Duft von Vanille und Nelken, als seine Frau mit der
dampfenden Kanne auf ihn zu kam. Nein, er würde nicht warten, würde nicht seiner
Angst die Herrschaft über seine Gefühle einräumen. Manche Risiken durften nicht
vermieden, waren es wert, eingegangen zu werden. An diesem einen Tag im Jahr
verdiente es niemand verloren zu sein, nicht wenn eine einzige Seele auf der
Welt existierte, die an diesen Menschen dachte, sich um ihn sorgte. Ein auf
geheimnisvolle Weise seliges Lächeln zuckte nicht nur um seinen Mund, sondern
strahlte bis in die dunklen Augen, erfüllte sie mit neuem Licht, als er Michelle
dankbar einen Kuss auf die Wange hauchte, die sein Strahlen erwiderte, seine
Hände in stummer Versicherung drückte, als wollte sie ihm zeigen, dass seine
Entscheidung auch die ihre war. * * * * * *
Jack drehte das
abgegriffene Photo in seinen Händen, strich es wiederholt glatt, betrachtete die
verblichenen Züge seiner Tochter, die ihm entgegen lachten. Er wünschte zu
wissen, was sie tat, sehnte sich danach zu erfahren, wie sie diese Zeit
verbrachte. Ob sie noch an ihn dachte, ihn hasste, ob sie ihn vermisste, oder ob
sie froh war diesen Teil ihres Lebens hinter sich lassen zu dürfen. Er spürte
das vertraute Brennen hinter seinen Augen, wehrte sich verzweifelt dagegen, die
Trauer zuzulassen, und wusste doch, dass er den Kampf bereits verloren hatte.
Nur noch wenige Tage, dann würde auch dieses Jahr Vergangenheit sein. Nur für
ihn würde sich nichts verändert haben, er würde immer noch derselbe sein,
unfähig sich zu lösen, unfähig sein Schicksal zu lenken. Er starrte aus dem
Fenster, betrachtete die spärliche Weihnachtsbeleuchtung auf der anderen
Straßenseite und fühlte die Wut in sich aufsteigen, die Wut auf sich, die Wut
auf sein Leben, die Wut auf das, was es aus ihm gemacht hatte. Sein Blick fiel
von der Flasche auf den Tisch, von dem halbvollen Glas daneben nach draußen, auf
den hageren Dealer an der Ecke, und sein Magen krampfte sich zusammen, als sein
Körper unerbittlich nach Erlösung schrie.
Das Handy schrillte und
Jack fuhr zusammen, obwohl er wusste, dass die Leitung sicher war. Ohne, dass er
einen Namen zu hören brauchte, spürte er mit einem Mal, dass er nicht mehr
allein war, und trotz all seiner Trauer hielt doch endlich auch die Hoffnung
Einzug in seinem Herzen.