Titel: Unerwartet - eine Geschichte von Liebe,
Freundschaft und Betrug
Autor: callisto24
Fandom: 24
Charaktere: Jack,
Tony, Kim, Michelle, Chase
Kategorie: Drama, natürlich!
Thema: zwischen
Season 3 und 4, bevor Jack gefeuert, nachdem Tony aus dem Gefängnis wieder
entlassen worden, Chases Arm komplett ausgeheilt ist, und alle fröhlich zusammen
in der CTU arbeiten. Doch dann....
Word Count: 3274
Rating:
PG-13
Warnungen: Gewalt, Sex, moralisch Verwerfliches, Ausdrucksweise...
Anmerkungen: gehört alles 24, ich verdiene hiermit kein Geld, etc. ....
*
* * * *
(Eine nie verfilmte Storyline, die unter den
Teppich gekehrt wurde, da sie unüberwindbare Differenzen zwischen
Produktionsleitung, Schauspielern und technischer Crew verursachte, die beinahe
zum Abbruch der Serie und zum Bankrott sämtlicher Beteiligten geführt hätte.
Freigegeben, als Warnung an jeden, der sich mit dem Gedanken trägt, ins
TV-Action-Seriengeschäft einzusteigen.)
“Kim! Was hat das zu
bedeuten?”
“Dad!”
Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte Jack
auf das Bild, das sich ihm darbot. Inmitten der nüchtern technischen Einrichtung
des Büros, dessen gläserne Wände nicht imstande waren, auch nur die winzigste
Kleinigkeit zu verbergen, lösten sich Tony und seine Tochter, die vor einem
Moment noch eng umschlungen in der Mitte des Raumes gestanden waren, erschrocken
voneinander. “Jack!”
“Tony!”
“Dad!”
“Kim!”
“Jack, es
ist...!”
“Du verdammter Mistkerl! Was denkst du dir?”
Jack
bebte vor Wut, seine Fäuste ballten sich, sein Gesicht lief langsam, aber stetig
rot an.
“Dad!” Kim versuchte sich vergeblich Gehör zu
verschaffen.>br> “Das ist m e i n e T o c h t e r , mit der du hier... .”
Jack stockte, fassungslos, ließ seinen Blick unablässig zwischen Kim und seinem
bis gerade eben noch besten Freund hin und her wandern. “Daaa - aaad!” Der
Gesichtsausdruck der jungen Frau verwandelte sich von verlegen in ein wenig
genervt. Sie hatte sich noch nie dafür begeistern können, wenn von ihr, und dann
auch noch während ihrer Anwesenheit, in der dritten Person gesprochen wurde.
“Jack, du verstehst nicht...”
“Und ob ich verstehe,” brauste Jack auf. “Ich
habe dir vertraut, und du... .”
“Aber so ist es doch gar nicht!”
“Mein
Gott, Tony, du könntest ihr Vater sein.”
“Dad, hör doch mal...”
“Was soll
das heißen, ich könnte ihr Vater sein? Willst du damit sagen, ich wäre zu alt
für... .” Jack trat drohend einen Schritt auf den anderen Mann zu.
“Für was!
Sag es ruhig, Tony, und ich schlage dir die Zähne ein!”
Tony wich
unwillkürlich zurück. “Das habe ich doch gar nicht gemeint. Es ist nur.... Kim
ist doch immerhin... .“ “Dad, lass ihn!”
Doch das hatte das Fass bereits zum
Überlaufen gebracht. Jack schnellte wie ein Blitz auf den Größeren zu, und
landete einen gezielten Kinnhaken inmitten die attraktiven Gesichtszüge. Tony
ging sofort zu Boden, worauf sich Jack, außer Kontrolle geraten, auf ihn stürzte
und begann, ihn mit seinen Fäusten zu bearbeiten. “DAAAAD!” Kim warf sich
schluchzend zwischen die beiden, den dunkelhaarigen Mann mit ihrem Körper
beschützend, sein Gesicht zärtlich zwischen ihre Hände nehmend. Jack ließ schwer
atmend sein Opfer los, stand, mühsam sein Gleichgewicht suchend, auf, und
senkte, besiegt, den Blick. “So ist das also,” flüsterte er, schüttelte
resigniert den Kopf, fuhr sich mit der Hand durch die Haare, bedeckte die
geröteten Augen mit seinen zitternden Fingern - ein gebrochener Mann.
( Drehbuchautoren und Produzenten waren sich einig, dass diese
Szene dem Hauptdarsteller den diesjährigen Golden Globe beschert hätte, wenn
nicht...! )
Tony kam stöhnend wieder zu sich, richtete, von Kim
gestützt, seinen Oberkörper wieder auf und rieb sich das schmerzende Kinn.
“Menschenskind, Jack, hast du sie eigentlich noch alle?”
Jack
schwieg, verweigerte die Antwort, und war dennoch unfähig den Raum zu verlassen.
Endlich durchbrachen seine Worte die Stille.
“Denkst du denn überhaupt
nicht an Michelle?”
Tony stöhnte wieder, seine Augen suchten die Kims, die
besorgt seinen Körper auf und ab wanderten. “Ich liebe Michelle, das weißt du
doch!”
In Jacks Adern begann es erneut gefährlich zu pulsieren. “Und dann
wagst du es... ? Ist dir denn völlig egal, wessen Gefühle du verletzt?” “Haha!”
Tony stieß ein bitteres Gelächter aus. “Davon verstehst du wohl etwas?”
“Jetzt reicht es mir aber;” mischte Kim sich ein. “Es ist doch
alles ganz anders... . Ich... .“
“Was ist denn hier
los?”
Chase starrte entgeistert auf das Chaos, den am Boden
liegenden Tony, dem das Blut aus dem Mundwinkel tröpfelte, seine aufgeregte
Freundin, die gerade dabei war einen Wortschwall loszulassen, die Anzeichen
waren ihm wohlbekannt, und den sich mühsam beherrschenden Jack, dessen Ärger
unübersehbar vor sich hin brodelte.
“Chase!” Kim klang
erschrocken.
“Chase!” Jack wandte sich ihm zu, holte tief Luft, als wollte er
sich beruhigen. “Du solltest gehen. Ich erledige das hier.” “Was erledigst du
hier? Was soll das alles?”
“ Es ist wirklich besser, du weißt davon nichts!”
“Wovon soll ich nichts wissen?”
“Komm schon Jack, hör auf
damit,” mischte sich Tony ein.
“Du, halt dich da bloß raus,” schnappte der
andere. “Du hast dir schon genug geleistet!”
“Dad!”
“Kim!”
“Jack?”
Der Angesprochene packte Chase an der Schulter und versuchte ihn aus dem
Büro hinaus zu bugsieren. Doch da war er an den Falschen geraten. “Verdammt,
Jack, du solltest es mittlerweile eigentlich besser wissen. Ich bin nicht die
Sorte Mann, die sich einfach abschütteln lässt.” Jack seufzte, einen Moment lang
von Erinnerungen heimgesucht, die er sich eigentlich bemüht hatte, zu
verdrängen.
“Chase, du musst jetzt stark sein!”
“Was? Wieso?”
Der Jüngere klang alarmiert.
“Es ist nicht so einfach zu erklären...
.”
“JACK!” Tony versuchte sich aufzurappeln, stolperte jedoch
sofort wieder und stürzte erneut, als Kim ihre Unterstützung für ihn aufgab, um
zu Chase zu hasten und sich an ihn zu klammern. “Chase, Liebling...
!”
“HAH!” Mit diesem spöttischen Ausruf auf den Lippen, drehte
sich Jack zur Seite, nur um die schlanke Gestalt Michelles zu entdecken, die
rasch die Treppe empor klomm. “Deine Frau kommt,” schleuderte er spöttisch
seinem Freund entgegen. “Und was nun?”
“Kann mir endlich einer
sagen, was hier los ist?” Chase wurde so langsam wirklich ungeduldig. Die,
inzwischen wieder schluchzende Kim im Schlepptau, reichte er Tony seine Hand,
dem es somit endlich gelang, wieder Boden unter seine Füße zu bekommen.
“Tony!” Michelle blickte verwirrt von einem zum anderen. “Es gab
hier doch wohl keine Schlägerei?” Betreten blickte Jack auf seine
Stiefel.
“Jack?”
Als sie keine Antwort erhielt wandte sie sich an die
anderen.
Chase reagierte mit einem kollegialen Schulterzucken, und Tony
beschäftigte sich damit, die Beweglichkeit seines Kinns auszutesten. “Kim?”
“Ach Michelle, es ist alles ganz anders.”
“Kim,” warf Jack
schließlich ein. “Du solltest dich lieber heraushalten, immerhin bist du hier
das Opfer!” “Wie, Opfer?” fragten Chase und Tony im Chor.
“Nun hör aber mal
zu, Jack,” setzte der Ältere hinzu. “Das geht nun doch ein wenig zu weit.”
“Das geht noch lange nicht weit genug,” bellte Jack ihm entgegen.
“In deiner Position eine junge, unschuldige Frau so auszunutzen... !” “Wie,
ausnutzen?” Diesmal waren es Chase und Michelle, die ihn
unterbrachen.
“Michelle!” Sich plötzlich wieder ihrer
Anwesenheit bewusst, richtete Jack seine Aufmerksamkeit auf die Kollegin.
“Michelle, es tut mir so leid.” Ihm gingen die Worte aus, er zögerte
unsicher.
Ihre schönen, dunklen Augen vergrößerten sich erstaunt.
“Jack!”
Tonys Stimme klang warnend. “Jack, du weißt nicht, was du tust?”
“Wie bitte?”
Jack fuhr herum. “Ich weiß nicht, was ich tue? Ich bin es ausnahmsweise mal
nicht, der hier das Leben aller Anwesenden zerstört.” Eine Pause trat ein, ein
unangenehmes Schweigen, dass nur vom Ticken der Uhr unterbrochen wurde, und
während dessen jeder seinen eigenen finsteren Gedanken nachhing. Jack räusperte
sich, und nahm seinen Monolog rasch wieder auf.
“Michelle, Chase! Es wird
schwer für euch sein, aber ihr solltet die Wahrheit erfahren!”
( Hier entstanden die ersten Spannungen am Set, vorerst
ausgelöst, durch die Pyrotechniker, die sich mittlerweile unterfordert fühlten,
und begannen ihr Recht auf Arbeit einzuklagen. Angestachelt wurden sie
zusätzlich von den Ballistik Experten, denen aufgefallen war, dass in der
gesamten Folge noch kein einziger Schuss gefallen war und die aus diesem Grund
eine Zurücksetzung ihrer bisher unangefochtenen Vormachtstellung in dieser
Produktion befürchteten. Glücklicherweise konnten weitere Ausschreitungen noch
einmal, durch das besonnene Eingreifen, von Seiten des Regisseurs verhindert
werden. )
“Tony und Kim haben einen Fehler gemacht. Und ich bin
sicher... ,” Jacks eisblaue Augen durchbohrten die dunklen samtenen Tonys. “Ich
bin mir sicher, sie werden alles tun, um die Sache in Ordnung zu bringen.”
“Moment! Wie, einen Fehler?” Chase sah verwirrt um sich, den Arm um Kim gelegt,
die nun jegliche Anstrengung unternahm, sich näher an ihn zu schmiegen, als
physikalisch überhaupt möglich sein dürfte. Michelles Blick folgte dem Jacks,
und mit weiblicher Intuition erfasste sie die Lage im Handumdrehen. “Du meinst,
Kim und mein Mann... ?”
“Tony?” Hilfesuchend sah sie ihren Mann an, der
Schatten eines Zweifels überzog ihr hübsches Gesicht, verdunkelte ihre Züge.
Auch in Chase begann das Räderwerk zu arbeiten, sein athletischer Körper
versteifte sich, der Griff, in dem er Kim hielt, wurde starr und seine Augen
begannen Funken zu sprühen. “Soll das heißen... ?”
“Chase, Liebling! Aber so
ist es doch gar nicht. Ich bin schwanger!”
“Waaas?” Es ließ
sich nicht mehr ausmachen, aus wie vielen Kehlen dieser entsetzte Aufschrei
gefahren war. “Schwa - schwa - schwanger?” stotterte Chase. Offensichtlich
begannen die Ereignisse sein Fassungsvermögen zu übersteigen. Jack reagierte da
weitaus schneller.
“Du bekommst ein Kind? ...von Tony?” brüllte er, und hätte
ihm Michelle nicht geistesgegenwärtig ein Bein gestellt, so wäre Tony eine
weitere Tracht Prügel nicht erspart geblieben. Doch so stürzte Jack neben ihm
nieder und schlug sich an der Tischkante die Stirn auf, was ihm einen weiteren
Wutschrei entlockte. “Dad!”
“Kim!”
“Chase!” Kim wandte ihre Aufmerksamkeit
wieder ihrem Freund zu, nachdem es unübersehbar war, dass Jack keinerlei
ernsthafte Verletzungen davon getragen hatte. Dieser hatte die allgemeine
Unaufmerksamkeit, seiner Person gegenüber, genutzt, und zwei und zwei
zusammengezählt. Abrupt ließ er die widerstrebende Kim los, ignorierte ihren
verängstigten Aufschrei, zog wutentbrannt seine Waffe und richtete sie auf Tony!
“Ich bring dich um, du Schwein,” schrie er, die Flammen seiner Eifersucht hell
lodernd in seinem Inneren. Noch bevor jemand reagieren konnte, schoss er
blindlings auf den Agenten, der geistesgegenwärtig versuchte der Kugel
auszuweichen, doch...
( Ein weiterer Versuch der Drehbuchautoren,
den Tony Charakter aus der Serie zu schreiben, scheiterte, wie schon so viele
zuvor. Diesmal bestand die Ursache in einer großangelegten Protestaktion,
angeführt vom vorwiegend weiblichen Personal der Kantine, des Catering Service
und der Vereinigung der Kostümbildner, die sich in ungewohnter Eintracht
zusammenschlossen, um Tonys Weiterleben zu sichern. Es ist unklar, ob die
Drohung des Küchenpersonals radikal auf kochsalzarme Ernährung umzustellen, oder
die beiläufige Erwähnung der, für die Garderobe der Darsteller verantwortlichen
Spezialisten, wie schnell sich einzelne Wäscheteile doch pink färben ließen, den
Ausschlag gab. Auf jeden Fall entschloss sich der leitende Produzent dem
wachsenden Druck nachzugeben, nicht zuletzt, da er schon seit Jahren
einschlägige Erfahrung in blutdrucksenkenden Diäten gesammelt hatte. )
... doch glücklicherweise das Gleichgewicht verlor, das
todbringende Projektil gerade noch über sich hinweg zischen hörte, und auf Jack
zusammenbrach, der unabsichtlich seinen Fall dämpfte.
“Geh von mir
runter, du Verräter,” wand sich Jack unter ihm. “Und ich dachte, du wärst mein
bester Freund!”
“Waaas?”
Chase ließ seine Waffe
fallen, die ohnehin keine Munition mehr enthielt, da er, wie immer vergessen
hatte, sie nachzuladen und fixierte Jack. “Ich dachte, ich wäre dein bester
Freund. Ich meine, wir sind Partner... und du vertraust mir... und du hast mir
... meine Hand... .” Tief verletzt suchten seine grünen Augen die blauen des
Älteren, der ihm verlegen auswich.
“Hör mal, Chase,” druckste
Jack, unangenehm berührt, herum.” Du bist ja ein echt netter Junge, und ein
guter Agent, und ich mag dich richtig gerne... aber, aber... du bist eben noch
ein Kind. Ich meine, was Lebenserfahrung angeht... .”
Chase
explodierte. “Ich bin kein Kind! Ich bin kein Kind!” Die Fäuste geballt,
stampfte er mit dem Fuß auf. “Und ich habe es satt, dass ihr mich so nennt.”
“Nein, Schatz. Du bist kein Kind,” brachte sich Kim wieder in
Erinnerung. “Und ich weiß, was ein richtiger Mann ist.” Zu spät erinnerte sie
sich an die Tatsache, dass ihr Vater sich unter den Anwesenden befand, und sie
barg ihr Gesicht schnell in Chases Jacke, der sie, dankbar für die
Unterstützung, liebevoll umschlang.
Jack dagegen schien weniger
dankbar, als es ihm endlich gelang sich von Tonys Gewicht zu befreien. Einen
Moment lang wirkte er unentschlossen, wer nun das geeignete Ziel für seinen Zorn
sein sollte, aber dann erinnerte er sich wieder an den Ursprung des Problems.
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“Ein richtiger Mann, oder?” Die Zusammenhänge nach der Flut der
Ereignisse ein wenig durcheinanderbringend, wollte er sich wieder auf den
Dunkelhaarigen stürzen, der mittlerweile jedoch eine gewisse Technik im
Ausweichen von Schlägen oder Kugeln entwickelt hatte.
“Ich hab
nichts mit Kim! Wirklich nicht!” schrie er in dem unermüdlichen Bemühen Klarheit
in die Sache zu bringen. “Chase ist doch der Vater!” “Wie’? Ich? ... schon
wieder?” Chase wirkte verdattert.
“Du meinst... ,” Jack gelang
es, dank seiner unnachahmlichen Körperbeherrschung, mitten in der Bewegung inne
zu halten. Mit einem erleichterten Seufzer ließ er die Luft aus seiner Lunge
entweichen.
“Gott sei Dank. Das wäre in deinem Alter ja auch wirklich nicht
mehr angebracht.”
“Wie, in meinem Alter. Ich bin nicht viel
älter, als du, und außerdem... “
“Komm schon Tony, in unserem Job altert man
schnell, und deine besten Jahre liegen ja nun doch schon auch hinter dir.”
“Wie bitte?” Tonys Gesichtsfarbe spielte ins Grünliche, als er
mühsam nach Atem rang.
“Ich bin ein junger Mann, absolut jeder
Herausforderung gewachsen, beruflich ebenso wie privat. Die meisten Leute halten
mich für mindestens zehn Jahre jünger, als ich in Wirklichkeit bin. Im Gegensatz
zu dir!”
Die letzte boshafte Bemerkung hatte er sich dummerweise
nicht verkneifen können, bereute sie jedoch sofort, als Jack konterte: “Nicht
jeder ist eitel genug, um sich regelmäßig seine Lockenpracht zu färben.”
Das war selbst Tony zu viel. Bemerkungen über seine Haare,
darin lag die unsichtbare Grenze, die kein lebendes Wesen unbeschadet
überschreiten durfte, dessen war sich auch Jack schmerzhaft bewusst. Deshalb
tastete er, geleitet von seinem unbewussten Selbsterhaltungstrieb, auch sogleich
nach seiner Pistole, nur um festzustellen, dass er sie beim Kaffeeautomaten
liegen gelassen haben musste. Tony dagegen, dessen Verlässlichkeit, bis auf
wenige Ausnahmen, direkt als sprichwörtlich bezeichnet werden konnte, reagierte
ungewohnt emotional, zog blitzschnell seine Waffe, und jahrelang aufgestaute
Aggressionen brachen sich endlich Bahn. Er feuerte.
( Diese
Entwicklung wurde vor allem von Seiten des Hauptdarstellers begrüßt, der die
Ansicht vertrat, dass ein Ableben seiner Figur unverzichtbar sei, um den
Realismus und die Spannung in der Serie zu bewahren. Gerüchte, er wolle
aussteigen, weil ihm die 14 Stunden Arbeit pro Tag und die ihm auf Schritt und
Tritt auflauernden Jack Bauer Fans zu viel wurden, wies er weit von sich.
Unglücklicherweise entstand ein Streit, als der Darsteller des Tony darauf
bestand, in diesem Zusammenhang, ebenfalls ein glanzvolles Ende erleiden zu
dürfen, um sich seinen Platz im Olymp des Serienhimmels zu sichern, ein Wunsch,
dem der vorhin Erwähnte weniger Verständnis entgegenbrachte, da er, wie auch
einzusehen war, die Glorie dieser Szene nicht teilen wollte. Der Schauspieler,
der den Chase verkörperte, drohte an, notfalls gerichtliche Schritte zu
unternehmen, falls man ihm nicht, wie angeblich, jedoch nie nachgewiesen,
vertraglich zugesichert, die Hauptrolle zugestehen sollte.
Es kam zum Eklat,
der in einem Handgemenge zwischen den Darstellern ausartete, das letztendlich zu
ernsthaften Verletzungen auf allen beteiligten Seiten führte.
Das,
an sich, stellte sich weniger als ein Problem heraus, waren die Autoren doch
diese Art Ausfälle gewohnt, und hatten bereits im voraus diverse Ausweichpläne
entwickelt, die sich nur durch die Art der Unfälle und die im Endeffekt
beeinträchtigten Körperteile der Darsteller unterschieden.
Zu all diesen
eingetretenen Unannehmlichkeiten gesellte sich noch die Tatsache, dass die
Nachricht von Jack Bauers geplantem Tod, mittlerweile die Runde gemacht, und die
Hardcore Fans sich bereits paramilitärisch organisiert, und schließlich sogar
mit den Tony-Fans zusammengeschlossen hatten, die ja ihrerseits bereits
einschlägige Erfahrung darin besaßen, die Mächtigen unter Druck zu setzen. Durch
diese vereinten Anstrengungen kam es zu zusätzlichen Verzögerungen im
Drehverlauf, die das Studio Millionen kostete, und den Blutdruck des leitenden
Produzenten in unvorstellbare Höhen trieb. Doch schließlich einigte man sich in
langwierigen Verhandlungen und es gelang die Arbeit fortzusetzen. )
Tony feuerte blindlings um sich. Kim und Michelle begannen
hysterisch zu schreien.
( Die Darstellerin der Michelle
verlangte zu diesem Zeitpunkt eine Gehaltserhöhung, da ihrer Meinung nach, die
Herausforderung, dieses Verhalten ihres Charakters glaubwürdig herüberzubringen,
nervenaufreibende Recherchen und zunehmende Selbstaufgabe ihrer Person
erforderten. Kim zeigte da weniger Hemmungen, und es muss wohl nicht extra
erwähnt werden, dass die Extra Gage selbstverständlich bewilligt wurde. )
Kugeln durchsiebten die Luft, durchschlugen Wände, Decke und
Möbel, doch wie durch ein Wunder blieb Jack verschont, ergriff todesmutig Tonys
Hände und entwand ihm mit geübten Bewegungen die Waffe.
“Komm zu dir Tony,
komm zu dir,” brüllte er und begann seinen Freund zu schütteln. “Das ist es doch
nicht wert.”
“Du hast recht.” Schweratmend ließ Tony seinen Kopf sinken,
nicht ohne ihn den Bruchteil einer Sekunde später zu heben, und den Blick seiner
Frau zu suchen.( die mittlerweile mit dem Schreien aufgehört hatte. )
Tränen
stiegen ihm in die Augen. “Was hätte ich unserem Kind beinahe angetan?”
“Du weißt es?” Nicht nur Michelle zeigte sich verwirrt, auch
die anderen, mit Ausnahme von Kim, sahen aus, als könnten sie unmöglich noch
weitere Überraschungen verkraften.
nbsp;
“Woher weißt du es?” Michelles
Stimme klang sanft, als sie sich ihrem Mann näherte, von dem Jack mittlerweile
abgelassen hatte.
“Nun ja, ich durchsuche immer den Müll, bevor
ich ihn herausstelle. Man weiß nie, welche Schlüsse gut ausgebildete Terroristen
aus der Zusammensetzung ziehen können, wenn man nicht aufpasst. Und da habe ich
den Test entdeckt!”
“Tony!” Michelle lächelte verträumt. “Du
denkst einfach an alles. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte.”
“Ich doch auch nicht. Und dann kam Kim zu mir, und wir stellten
fest, dass uns ein und dasselbe Thema beschäftigte. Und dann... “
“Ach Tony. Ich bin ja so glücklich.” Michelle fiel ihm gerührt um
den Hals.
Chase und Kim sahen sich tief in die Augen, denn auch bei Chase war
inzwischen der Groschen gefallen.
“Soll das heißen?” Jacks Stimme
schien heiser. “Das soll doch wohl nicht bedeuten, dass ich... .” “Doch, genau
das.” Kim strahlte. “Du wirst Großvater.”
“Das darf nicht wahr sein.” Jack
blickte erschüttert zu Boden. “Nicht ich! Nicht schon jetzt!” Aber Jack wäre
nicht Jack, wenn er nicht jedem Schicksalsschlag mit eisernem Willen
entgegentreten würde.
“Nun denn!” Er richtete sich entschlossen
auf.
Chase!”
“Ja, Jack.”
“Chase!”
“Ja, Jack?”
“Chase!” Die tiefe
Stimme enthielt einen drohenden Unterton, der einem Gewittergrollen nicht
unähnlich war.
“Ja.... Dad?”
“Na also, geht doch.”
(
Letztendlich scheiterte die Fertigstellung dieser Folge an den unüberwindbaren
Differenzen zwischen den beiden Parteien, die sich im Verlauf der Ereignisse
herauskristallisiert hatten.
Das geniale Konzept, detailliert
herauszuarbeiten, wie sich auch ohne Feindkontakt, im sicheren Inneren der CTU,
lebensbedrohliche Situationen, und nervenzerfetztende Spannung erzeugen ließe,
scheiterte daran, dass bereits vor Monaten teuer eingekaufte Gaststars, die für
die Rollen der Gegenspieler vorgesehen waren, da sie nun keinen Text zu lernen
hatten, sich, auf Kosten des Studios, in L.A. amüsierten und nicht nur eine
weitere, massive finanzielle Einbuße verursachten, sondern auch noch die
Aufmerksamkeit der Klatschpresse, in unangenehmer Weise, auf sich zogen.
Abschließend lässt sich nur noch hinzufügen, dass die Kette der geschilderten
Ereignisse, im Anschluss zu zahlreichen, streng geheimen Treffen in Produzenten-
und Studiokreisen führten, alle mit dem erklärten Ziel, auf lange Sicht im
Seriengeschäft jeglichen Anflug demokratischer Tendenzen klar zu unterbinden.
Man entschied sich dafür, die Rollen klar zu verteilen, dem bisher veraltet
geglaubten Absolutismus, zumindest in diesem Umfeld zu neuer Blüte zu verhelfen,
indem man, einem kleinen, erlauchten Kreis, erleuchteter Persönlichkeiten, die
Möglichkeit zugestand, ohne Widerspruch, Zweifel oder Kritik die Feststellung zu
äußern: “Diese Serie bin ich.” Prunkvolle Veranstaltungen lenkten das Volk und
die Schauspieler gleichermaßen von den tatsächlichen Machtverteilungsmechanismen
ab, schufen die Illusion einer Gemeinsamkeit, eines kreativen Prozesses, in den
jeder einzelne involviert war.
Vereinzelte warnende Gegenstimmen wurden
eliminiert, noch bevor sie an das Ohr der Öffentlichkeit dringen konnten. Die
Zustände waren vergleichbar mit.... )
*Moment mal! Sie können hier doch nicht
so einfach hereinkommen..... ! Das ist ein Privathaushalt.... !
Ich bin ein
Bürger dieses Landes........ . Neiiiiin! Nicht wieder die weiße
Jacke!........*