Titel: Vorbilder
Autor: callisto24
Fandom:
24
Charaktere: Chase, Jack, Tony
Kategorie: Drama
Thema: nach S1. Was
wäre, wenn sich Jack und Chase schon einmal begegnet wären. Vor Season3
Word
Count (ges): 1099
Rating: PG-13
Anmerkungen: Nichts davon gehört mir und
ich verdiene hiermit kein Geld.
* * * * *
“Schon wieder so
ein kreuzdämlicher Vortrag! Als ob wir dabei irgendetwas Sinnvolles lernen
würden”, beschwerte sich Pete lautstark in der zu dieser Stunde mehr als
überfüllten Cafeteria. “Ich habe es ehrlich satt, dass alle abgehalfterten
Agenten, die gerade nichts Besseres zu tun haben, hierher zu uns geschickt
werden, um uns arme Studenten zu langweilen.” “Wer ist es denn?” brachte Chase
unverständlich hervor, während er sich intensiv bemühte sein Sandwich zu
bewältigen. Pete klopfte ihm so kräftig auf die Schulter, dass er gerade noch
verhindern konnte sich zu verschlucken und die Hälfte wieder auszuhusten. Er
starrte den größeren Jungen wütend an, der ihn ungerührt angrinste. “Natürlich
Chasy! Unser Musterschüler kennt natürlich wieder jeden Soldaten, jeden Agenten,
der irgendwann, irgendwo einmal eine Kartoffel geschält hat.” Die anderen am
Tisch kicherten.
“Na und! Weißt du es etwa?”, gab Chase patzig
zurück.
“Hey, easy Junge! Nicht jeder hat den Ehrgeiz, der Akademie zu
beweisen, dass er eines fernen Tages als Einziger auf weitem Feld in der Lage
sein wird, das Land vor dem Untergang zu bewahren.” “Idioten”, grummelte Chase
wohlweislich unhörbar in sich hinein. Keiner von ihnen würde es einmal zu den
Navy Seals schaffen, nicht wenn sie sich weiter wie Kinder aufführten. Das Leben
war nun einmal kein Zuckerschlecken, das hatte er in jungen Jahren schon lernen
müssen. Und worauf man sie hier vorbereitete, das dürfte härter sein, als alles,
was sich diese Punks in ihren wildesten Träumen vorstellen konnten. Ein Großteil
seiner Mitschüler war von ihren Eltern, die sich einfach mit der Erziehung
überfordert gefühlt hatten, abgeschoben worden, übrig blieben einige wenige, die
wie er, Ehrgeiz in diese Ausbildung legten, einen Grundstock für eine Karriere
legen wollten. Er würde nicht so enden, wie seine Eltern, das hatte er sich
schon vor langer Zeit geschworen. “Er hat einen ganz besonders einfallsreichen
Namen, John Bauer oder so”, warf Frank ein und duckte sich bereits in Erwartung
einer niederschmetternden Bemerkung ihres Alphamännchens, die erstaunlicherweise
auszubleiben schien. “Ein Pseudonym, was wetten wir?” ergänzte Pete lediglich,
offensichtlich bereit das Thema fallen zu lassen.
Chase hob den Kopf. “Jack
Bauer, vielleicht?”
“Kann sein!” Frank zuckte mit den Schultern. “Wieso,
müsste man den kennen?”
“Weiß nicht.” Chase nahm einen kräftigen Schluck
Kaffee. “Hat eine Arbeit geschrieben über verdeckte Ermittlungstechniken. Bin
zufällig in der Bibliothek darüber gestolpert.” “Streber”, lachten die anderen,
wenngleich doch manch einer ein anerkennendes Nicken nicht unterdrücken konnte.
Die wenigsten von ihnen kamen auf die Idee, sich freiwillig in einen Raum voller
Bücher zu begeben, geschweige denn, dass sie sich die Namen irgendwelcher
ehemaligen Absolventen merken würden. “Hat’s denn wenigstens was gebracht?”,
stichelte Pete wieder.
Chase starrte ihn über seine Tasse hinweg an, ohne die
Miene zu verziehen.
“Was denkst du denn?”
“Vergiss es!” Damit stand der
Rothaarige geräuschvoll auf. “Deine Noten sind mir doch scheißegal!”
Gefolgt
von seinem Anhang verließ er mit langen Schritten den Raum.
Chase blieb
allein zurück, seufzte erleichtert auf und riskierte einen Blick auf seine
Armbanduhr. Noch 20 Minuten bis zum Vortrag und endlich etwas Ruhe. Die
Cafeteria leerte sich langsam. Die meisten suchten das Weite, getrieben von dem
Wunsch nach einer Zigarette oder etwas Stärkerem, das ihnen helfen konnte, den
Tag zu überstehen. Chase schnalzte verächtlich mit der Zunge. Unvorstellbar, wie
jemand, der sein Leben dem Dienst an der Gemeinschaft widmen wollte, so
verantwortungslos mit seinem Körper umgehen konnte. Zwei ältere Männer, die
gerade eintraten, zogen seine Aufmerksamkeit auf sich.
“Ich weiß, dass du mir
nur helfen willst”, zischte der eine von ihnen zwischen den Zähnen hervor, und
versuchte den Arm abzuschütteln, mit dem der andere versuchte, ihn zu stützen.”
Aber ich wünschte, du würdest es bleiben lassen!” Der Sprecher trug dunkle Ringe
unter den Augen, war unrasiert und offensichtlich hastig angekleidet, wie das
schief zugeknöpfte Flanellhemd bewies. Der glasige Blick und die unsicheren
Bewegungen, ließen keinen Zweifel daran, dass er unter massivem Alkoholeinfluss
stehen musste. “Jetzt trinkst du erst einmal einen Kaffee, Jack, und dann
sprichst du mit den Kindern hier.” Auch bei dem anderen Mann schienen die Nerven
blank zu liegen. “Irgendwann musst du doch wieder zu dir kommen, ich kann dir
nicht ewig den Rücken freihalten.” “Du hast keine Ahnung wovon du redest”,
nuschelte der Blonde, gab aber dann den Kampf auf und ließ sich beinahe
willenlos zu einem Sitz an der Theke führen, und sich eine Tasse mit dampfendem
Inhalt aushändigen. “Du weißt nicht, wie das ist, Tony!”
“Nein, ich weiß es
wirklich nicht”, erwiderte dieser, ein wenig sanfter gestimmt. “Und ich bin
froh, dass ich es nicht weiß. Aber das Leben muss schließlich weitergehen
und...”, er zögerte. “Jede Trauer muss einmal ein Ende haben.” Jack schüttelte
den Kopf und nippte an seinem bitteren Getränk, schob es jedoch sogleich
angeekelt beiseite. Tony seufzte und lehnte sich zu ihm herüber. “Du weißt doch,
dass Mason diesen Vortrag schon vor Monaten zugesichert hat.” Er kratzte sich
nachdenklich an der Schläfe. “Du weißt, ich würde es dir ja gerne abnehmen, aber
mir fehlt einfach die notwendige Felderfahrung. Und diese Jungen brauchen einen
Bericht aus erster Hand. Und dann weißt du doch, wie wenig Geduld ich mit
Kindern habe, und du hast doch mit Kim...” Zu spät biss er sich auf die Zunge.
Der Schleier, der sich wie eine eisgraue Wolke über Jacks Augen legte, sagte ihm
deutlicher als jede Entgegnung es hätte tun können, in welches Fettnäpfchen er
getreten war. Resignierend wandte er den Blick ab, beobachtete geistesabwesend
den jungen Burschen, der geflissentlich aus dem Fenster sah, vollkommen bewusst
den Eindruck erweckend, als würde er nicht zuhören. Ein Lächeln zuckte in seinen
Mundwinkeln auf, obwohl ihm keineswegs danach zumute war, verschwand sofort
wieder, als er den Ausdruck in der Miene des Studenten zu deuten begann. Er
ergriff Jacks Hand und drückte sie kräftig, um den trauernden Freund aus seinen
dunklen Gedanken zu reißen.
“Ich habe ein Jacket und einen Rasierer im Auto.
Zuerst einmal werden wir einen Menschen aus dir machen, und dann ziehst du das
hier durch.” Energisch richtete er sich auf, zog den schmalen Mann auf seine
Füße und schob ihn entschlossen Richtung Ausgang.
Die grünen Augen des Jungen
folgten den beiden Männern auf ihrem Weg, bohrten sich in Jacks Rücken, blieben
schließlich an dem Wirrwarr ungekämmter Haare hängen. ‘Die anderen hatten recht.
Es gab nichts, das dieses Wrack ihm noch würde beibringen können.’
Einen
Moment fragte er sich noch, was es wohl sein könnte, das einen Menschen derartig
zu zerstören vermochte, aber schüttelte den Gedanken im selben Augenblick wieder
ab. ’Niemand, und schon gar kein Soldat dieses Landes, hatte das Recht sich so
gehen zu lassen, für so ein Verhalten gab es einfach keine Entschuldigung.’
Davon war er, mehr als von allem anderen, überzeugt.